Drei Monate in Norwegen, ein Traum den ich mir in meinem Zwischenjahr erfüllte. Während ich ein einem Hotel arbeite, habe ich hoffentlich die Gelegenheit Land und Leute etwas besser kennen zu lernen und freue mich darauf, meine Erlebnisse und Eindrücke hier mit dir zu teilen. Auch über Kommentare freue ich mich natürlich immer.

Updates werden jeden Sonntag erfolgen, wenn sich viel ereignet auch noch Donnerstags.

 

Ein kleiner Rückblick

 

Heute bin ich seit genau zwei Wochen wieder zuhause, habe mich mittlerweile ganz gut eingelebt und es ist langsam an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Meine Norwegenreise war weder was ich ursprünglich wollte, noch was ich erwartete habe, dennoch bin ich mehr als glücklich über diese drei Monate. Ich wollte ursprünglich das Land aus der Perspektive der Einheimischen sehen und möglichst viel Norwegisch lernen. Stattdessen habe ich Menschen aus ganz Europa kennengelernt und das Land durch die Augen derjenigen gesehen, die es sich Land als Wahlheimat ausgewählt haben und dementsprechend eine ganz andere Sichtweise auf vieles hatten. Zudem habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und in einem Hotel hinter die Kulissen geblickt, eine spannende Erfahrung! Ein bisschen Norwegisch gelernt habe ich ja zudem doch auch noch, dazu ein paar Worte Portugiesisch und Tschechisch, allerdings eher weniger alltagstaugliche Begriffe J Tatsächlich einmal länger als zwei Wochen von Zuhause weg zu sein und selbst sehen zu müssen, wo ich bleibe war darüber hinaus auch eine wichtige Erfahrung für mich und da ich mir eine längere Reise nicht zugetraut habe, war die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten, wie geschaffen für mich. Die Heimreise hat mir schlussendlich doch noch einiges Selbstvertrauen für weitere Reisen gegeben, ich habe gefühlte hundert Mal nach dem Weg gefragt und mich mit Menschen aus der ganzen Welt unterhalten, Probleme wie nicht fahrende Fähren oder der Ausfall meines Onlinefahrplans gelöst und bin heil ans Ziel gekommen. Vor allem das Hostelleben hat mich ziemlich fasziniert, so viele spannende Leute, so viele verschiedene  Nationen, Weltanschauungen und Reisevarianten! Wer mich etwas besser kennt wird nicht überrascht sein, dass ich während dieser sechs Tage aber durchaus auch des Öfteren mit den Nerven am Ende war, den ersten Nachmittag in Oslo war ich regelrecht panisch und auch später, als die Dinge so gar nicht nach Plan liefen, war ich kurz vor dem nächsten Nervenzusammenbruch. Dass Probleme sich mit Lösungen besser beseitigen lassen als mit Krisen war wohl die wichtigste Erfahrung für mich während der Heimreise. Jetzt bin ich natürlich glücklich wieder zuhause bei meinen Liebsten zu sein, eine weitere wichtige Erkenntnis dieser Reise: nachdem  ich sie so lange nicht gesehen habe, bin ich umso dankbarer, so eine grossartige Familie und so viele liebe Menschen um mich zu haben! Und trotz allem freue  ich mich bereits auf die nächste Reise! J

 

 

Kopenhagen, Hamburg und viele Stunden im Zug

 

In Kopenhagen übernachte ich für grade mal 15 Euro, Frühstück inbegriffen. Deshalb erstaunt es wohl eher wenig, dass mein 12-Bett Zimmer eher einem Tunnel als einem Raum glich und auch die Duschen im Keller eher unheimlich anmuteten, aber zu dem Preis kann man sich wirklich nicht beklagen. Und auch hier habe ich sehr nette Menschen kennengelernt, vor allem drei junge Portugiesen, mit denen ich mich lange über ihre Heimat und  Zukunftsperspektiven in Europa unterhalten habe. Am nächsten Morgen begrüsst Kopenhagen mich dann mit strömendem Regen und so bekomme ich eher wenig von der Stadt zu Gesicht, klatschnasse Füsse und eine durchnässte Jacke dämpfen zudem meinen Entdeckerwillen ziemlich. Umso zufriedener bin ich, als ich wieder im Zug sitze, dieses Mal von Kopenhagen nach Hamburg, wieder eine rechte Reiserei, versüsst von einigen Regenbogen vor den Fenstern. Zuerst geht es ein ganzes Stück wieder zurück, bevor ich dann in einem kleinen Bahnhof mit dem wohlklingenden Namen „Tinglev“ auf einen Ersatzbus umsteigen muss, der mich nach Flensburg bringt. Irgendwie seltsam, dass jetzt alles plötzlich wieder auf Deutsch angeschrieben ist… Von Flensburg geht es dann noch einmal zwei Stunden weiter mit dem Zug bis in die Hansestadt an der Elbe, wo mich ein flammender Sonnenuntergang in den Bahnhof begleitet. Da mir mittlerweile endgültig die Nerven für langes Herumirren fehlen, frage ich gleich direkt einen Taxifahrer nach dem Weg und kann so zum Glück schon bald in meinem Hostel einchecken. Von meinen Zimmermitbewohnern kriege ich bis zu ihrer Rückkehr um halb sieben Uhr morgens nichts mit, sie hatten wohl eine interessante Nacht. Für mich heisst es allerdings bereits beizeiten wieder aufstehen, ein letztes Mal zusammenpacken und mein Gepäck am Schliessfach deponieren. Hamburg gefällt mir sehr, zumal hier das Wetter auch wieder einigermassen mitspielt, es ist zwar meistens bewölkt aber hin und wieder drückt durchaus die Sonne durch. Ich sehe mir die Speicherstadt, Europas grössten zusammenhängenden Lagerhauskomplex, natürlich die Elbphilharmonie und auch den Hafen an. Leider hatte sich mein Handy verabschiedet und so konnte ich nicht nur keine Fotos machen, sondern musste auch ohne online Fahrplan auskommen. Aber Probleme sind schliesslich zum lösen da J Bei den Landungsbrücken sehe ich mir ein U-Boot an, vor allem wegen der zahlreichen Besucher eine ziemlich enge Erfahrung, dann mache ich eine sehr informative und unterhaltsame Hafenrundfahrt, besuche das Museumsschiff Cap San Diego und schliesslich auch noch das Wahrzeichen Hamburgs, die St. Michaelis Kirche. Von da geht es für mich zur letzten Station dieses langen Tages, zum Rathaus. Diese Zeilen schreibe ich nun aus dem Nachtzug, der mich von Hamburg nach Basel und dann nach Zürich bringt. Ein weiterer atemberaubender Sonnenuntergang taucht den letzten Abend meiner dreimonatigen Reise in warmes, oranges Licht und lässt mich ein wenig wehmütig werden. Ich werde wohl kaum ein Auge zubekommen in dieser Nacht, aber es ist mir egal. Bis vor wenigen Wochen war ich der Ansicht, dass alleine reisen nichts für mich ist, irgendwie scheint es mir aber entgangen zu sein, dass ich genau eine solche Reise plante. Und ich habe so viele positive Erlebnisse gehabt, so viele nette Menschen getroffen und mittlerweile so viele Male nach dem Weg gefragt, dass es mich kaum noch Überwindung kostet. Ich habe viel gelernt in nur sechs Tagen und ich will eine Reise in dieser Art unbedingt wiederholen, vielleicht aber mit einem etwas weniger straffen Zeitplan J Jetzt heisst es aber erst einmal noch ganz nach Hause kommen, dann baden und schlafen!

 

 

Zwischen Skagerak und Kategatt

 

(wegen sehr schlechten Internetverbindungen im Hostel in Kopenhagen kommen diese beiden Bloggs jetzt halt zusammen :P)

 

Bis ich in Hirtshals ankomme ist es längst dunkel und ich bin recht froh, dass ein Gateway direkt vom Fährhafen zum Bahnhof führt, so erspare ich mir wenigstens weiteres herumirren. Von Hirtshals geht es zu erst mit einem Regionalzug nach „Hjorring“ und dann mit einem modernen aber ziemlich schmutzigen Zug weiter nach Fredrikshavn, wo ich eine Stunde warten muss. Nachdem ich aber sichergestellt habe, dass der Zug nach Skagen auch tatsächlich fährt, macht mir das nicht mehr besonders viel aus. Um halb zwölf steige ich dann endlich in den letzten Wagen für heute ein und versuche, während der halbstündigen Fahrt an die Nordspitze Dänemarks nicht einzuschlafen. Für etwas Abwechslung sorgt eine junge Frau, die mich fragt welches Kleid sie anziehen soll. Schon lustig, was man auf solchen Reisen für Menschen trifft J Skagen überrascht mich dann ziemlich. War in Norwegen schon am Gründonnerstag alles dicht und herrschte überall tote Hose,  tobt hier das Nachtleben. Aus Bars und Restaurants tönt Musik und überall sind Menschen unterwegs. Ich bin beinahe am Ziel, aber bis jetzt eben nur beinahe… Die „Badepension Marienlund“, meine Adresse für die Nacht, liegt etwas ausserhalb des Zentrums und ich bin anfangs nicht einmal sicher, ob ich überhaupt in die richtige Richtung laufe und auch nachdem ich den Hafen gefunden habe, irre ich noch eine Weile durch die ziemlich ähnlich aussehenden Gassen. Gerade kurz vor dem nächsten Nervenzusammenbruch stolpere ich dann doch noch über das Hotel und bin einfach nur unendlich froh, als ich den Schlüssel zu meinem Zimmer in der Hand habe. Kurz duschen, Zähne putzen und dann ab ins Bett.

 

Das Frühstück ist dann eine ziemlich unterhaltsame Angelegenheit, die übrigen Gäste sind aller mindestens vierzig und in der Regel Paarweise unterwegs. Das hält mich aber nicht davon ab, das liebevoll hergerichtete Frühstück zu geniessen. Besonders angetan hat es mir die Schokolade, hier bekommt man doch tatsächlich kleine, dünne Schoggitafeln zum Frühstück! Dermassen gestärkt würge ich alles wieder irgendwie zurück in meinen Rucksack und tackere die aufgeplatzten Nähte meiner Munchmuseum-Tasche wieder zusammen, bevor ich ins Zentrum spaziere. Das Skagenmuseum, der Grund warum es mich überhaupt hierher verschlagen hat, ist sehr liebvoll gemacht, viel Sonnenlicht und helle, luftige Räume und die Bilder von Micheal Ancher in Echt noch atemberaubender (und vor allem gigantisch!) Ich bin begeistert! Nach dem Museumsbesuch spaziere ich noch etwas durch die Fussgängerzone und den Hafen und bestaune das Leben in diesem Dörfchen. Fast alle Läden haben geöffnet, es gibt an jeder Ecke Glace und Würste und die Strassen sind voller fröhlicher Familien. Im Hafen findet sich auch ein ganzes Rudel von Wohnmobilen, in erster Linie mit norwegischen Kennzeichen. Und für mich heisst es auch schon wieder weiterreisen, gut sechs Stunden Zugfahrt bis Kopenhagen warten auf mich.

Leider kann ich dazu keine schönenen Fotos hochladen, auch wenn ich durchaus sehenswerte Bilder gemacht habe. Aber mein Handy hat beschlossen, dass es jetzt genug von der Reiserei hat und hat sich kurzerhand aufgehängt. Mal sehen, ob meine weitere Heimreise auch analog klappt :P

 

 

Hostel, Hipster und Agnes

 

Das Hostelleben entpuppt sich als überraschend spannend für mich. Erstens steht bis um 9 niemand in unserem Zimmer auf, ich hätte diesen Leuten hier etwas mehr Bettflucht zugetraut, aber ich will auf keinen Fall klagen J Ich habe trotz des sehr harten Bettes recht gut geschlafen und das ist auch gut so, denn es steht mir ein langer Tag bevor. Erster Programmpunkt ist das Munchmuseum, das ich allerdings eher enttäuschend finde, die Sicherheitskontrolle wie am Flughafen ist da noch fast das Spannendste. In der ziemlich kleinen Ausstellung dann keinen Schrei und auch keines der anderen Bilder die ich bereits kannte, dafür eine seltsame Kooperation mit vielen wirren Videoinstallationen, die mir irgendwie nicht viel sagen. Also fahre ich mit der Metro zurück ins Stadtzentrum und besuche die Nationalgallerie, die schon um einiges mehr zu bieten hat. Nicht nur Bilder weltberühmter Künstler wie Monet sondern auch Munchs wohl bekannteste Werke „Der Schrei“ (wobei die Nationalgallerie nur eine der vier Versionen besitzt, die Munch von diesem Bild angefertigt hat), „Madonna“ (auch davon gibt es mindestens zwei Versionen) oder „Krankes Mädchen“ Um meinen Museumspass richtig auszunutzen, besuche ich danach auch gleich noch das Nobelpreis-Zentrum, der Ort wo jedes Jahr der Friedensnobelpreis verliehen wird. Neben einer informativen Ausstellung zum letztjährigen Preisträger und einer Dauerschau zu den vorherigen Preisträgern sowie der Geschichte des Nobelpreis gibt es im Erdgeschoss auch eine sehr berührende Ausstellung über Flüchtlingskinder aus Syrien. Nach diesen Bildern ist es beinahe eine Erleichterung, wieder hinaus in die warme Sonne gehen zu können. Den Nachmittag verbringe ich im Trendviertel „Gronnerlokka“, wo es unglaublich viele Cafés, Grafitis und vegane Läden gibt. Im ältesten Kakao-Café der Stadt stärke ich mich für den letzten Programmpunkt, der Frognerpark (die meistbesuchte Grünfläche der Stadt) , in welchem die bekannte Vigeland-Anlage zu finden ist, über 200 Skulturen aus Stein und Bronze, die zumeist nackte Menschen darstellen und nach Aussagen des Reiseführers Vigelands schwierige Kindheit und Beziehung zu seinem Vater verarbeitet. Da es mittlerweile begonnen hat zu Nieseln und ich müde bin, fahre ich mit dem „Trikken“, dem Tram, wieder zurück zum Hostel. Waren am Nachmittag noch alle anderen Betten verlassen, finde ich mich jetzt plötzlich mit einem Mitbewohner aus Argentinien und einem aus St. Francisco wieder und auch Heidi ist wieder mit von der Partie. Die beiden „Englisch-Natives“ nehmen es mir zum Glück nicht übel, dass mein Englisch während des folgenden, ziemlich ausgedehnten Gesprächs über Sprachen, Reisen und Terror nicht immer ganz lupenrein ist. J

 

Am nächsten Morgen wecke ich dann wohl das ganze Zimmer auf, als ich um 8.00 aufstehe, aber ich habe eine lange Reise vor mir. Kurz nach neun Uhr verlasse ich mit meinem Interrail-Pass Oslos Hauptbahnhof und fahre dann zwei Stunden bis an die Küste nach Larvik. Dort stecke ich dann schon das erste Mal fest, erstes ist es nicht ganz einfach den Hafen zu finden und ich muss mehrmals nach dem Weg fragen, zweitens gibt es offensichtlich einen Osterfahrplan, den meine Webseite, die ich zur Planung genutzt hatte, nicht kannte. Die Nachmittagsfähre gib es also nicht, ich muss bis um halb sechs warten. Glücklicherweise treffe ich dort auf Agnes, die wegen Problemen mit ihrem Flugticket jetzt die Fähre nehmen muss und zusammen ist das Warten nur noch halb so langweilig. Und ich erfahre doch noch etwas über norwegische Studententraditionen und ein paar weitere Eigenheiten des Landes. Schliesslich können wir dann auch an Bord und ich verabschiede mich ein wenig wehmütig von meiner „Heimat auf Zeit“.

 

 

Abschiede, Oslo und Heidi

 

Meine Zeit in Noresund ist vorbei, kein Housekeeping und kein Frühstück mehr, seit Sonntag ist das Hotel geschlossen.  An mein Norwegenabenteuer als solches hänge ich jetzt gleich noch ein zweites an, statt einfach den Flieger zurück zu nehmen, fahre ich mit dem Zug und mit der Fähre nach Hause. Erster Zwischenhalt ist Oslo, wo ich zwei Nächte  verbringen werde. Zuvor gilt es aber noch, mein Zimmer im Solehotell wieder ordentlich herzurichten und mich von all den anderen zu verabschieden. Seltsam, vor drei Monaten waren wir noch komplett Fremde und mittlerweile sind wir schon richtig Freunde geworden. Ein Koch, der seine Osterferien in Amerika verbringt, fährt mit mir nach Oslo und macht mir auch gleich noch ein Lunchpaket. Da kann man doch schon mal nicht klagen. In Oslo angekommen checke ich erst einmal ein und bin doch etwas schockiert. Natürlich lebt man in Mehrbettzimmern auf engstem Raum, aber das das Zimmer dann so klein sein würde, hätte ich nicht erwartet. Doch dieses Problem schiebe ich für den Abend auf und erkunde erst einmal die Stadt. Die Festung Akershus, das königliche Schloss und das Parlament sowie natürlich die ziemlich bekannte Flaniermeile „St. Johans Gate“ stehen an diesem Nachmittag auf dem Programm und ich bin ziemlich überrascht. Es hat extrem viele Ausländer, viele Bettler und Strassenmusiker, die Stadt explodiert förmlich vor Leben. Alles in allem kommt ein schon beinahe südländisches Flair auf und das wunderbare Wetter tut sein übriges dazu. Ich bestaune die Ausfahrt einer Fähre und den Sonnenuntergang vom Dach der Oper aus, breche mir allerdings auch fast den Fuss, weil ich natürlich einmal mehr nicht schaue, wo ich hin stolpere. Gerade noch mal gut gegangen… Nach einem echt italienischen Essen kehre ich dann ins Hostel zurück und lausche erst eine Weile dem Skypegespräch eines Spaniers (zumindest glaube ich das er Spanisch gesprochen hat) in der Lobby, dann ziehe ich mich zum Schreiben in unser winziges Zimmer zurück. Lange bleibe ich allerdings nicht allein, eine junge Australierin kommt hinzu und wir plaudern über unsere Reisen, während noch eine Schwedin dazu stösst. Ich bin ziemlich beeindruckt von der Reisegeschichte der Australierin, die lustigerweise den Namen Heidi trägt (Ihr Vater kommt aus Deutschland) Sie ist seit Monaten völlig planlos unterwegs, wollte sogar eigentlich nach Kenia statt Skandinavien! Und bei mir liegen schon mit meiner gut vorbereiteten sechstätigen Heimreise die Nerven ziemlich blank. J

Noch eine kleine Anmerkung zum Schloss und zum Akershus. Die Palastwache der Norweger ist beinahe so lustig anzusehen wie die vor dem Bukingham Palace. Mit gemessenen Schritten gehen sie, den Blick gerade nach vorne, hin und her, das Gewehr im Anschlag, und ignorieren die Touristen, die sie nachmachen oder wie ich nur leicht schmunzeln. Sieht aber halt auch einfach lustig aus, wie sie mit keiner Wimper zucken, während der Wind ihnen die Fellpommel ihrer Mützen ins Gesicht weht.

 

 

Trittsicherheit, Portugiesen und das Norefjell

 

Wenn das Wetter es zulässt und wir genügend Motivation aufbringen, dann unternehmen wir hin und wieder kleine Ausflüge in die Umgebung. Oftmals bin ich zwar auch alleine unterwegs, aber unsere Gruppenaktionen sind immer wieder besonders lustig. Die Umgebung um Noresund ist zwar hüglig, aber jetzt nicht wirklich anspruchsvolles Terrain, mit den Portugiesen wird allerdings auch das zum Abenteuer. J Vor einigen Tagen unternahmen wir einen kleinen Spaziergang zu den Minen und nahmen dazu ein paar Abkürzungen quer durch den Wald. Das nasse Laub und unebenes Geländewar zugegebenermassen kein idealer Untergrund, die beiden Portugiesen machten daraus jedoch ein riesen Theater. Und einer der Köche, der uns begleitete, schien es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, uns zu geleiten als wären wir aus Zucker. Nein, ich brauche nicht für jeden kleinen Auf- und Abstieg Hilfe, aber trotzdem danke. Meistens ergreife ich die mir hingestreckte Hand um die leicht merkwürdigen Situationen zu vermeiden, sie sich anderenfalls ergeben, wenn man einfach daran vorbei läuft, nötig wäre der ganze Umstand aber nur höchst selten. Natürlich weiss ich ihre Fürsorge zu schätzen, aber wenn sie mir zu helfen versuchen und dabei selbst beinahe den ganzen Abhang hinunter schlittern, während ich um einiges trittsicherer bin, muss ich doch manchmal schmunzeln. Schliesslich erreichten wir aber unbeschadet die Minen und auch beim zweiten Mal ist das riesige Loch im Felsen durchaus beeindruckend! Beim Abstieg stellen sich die Helena und Emanuel dann noch viel ungeschickter an und der Koch ist damit beschäftigt, sie irgendwie über die Geröllhalde zu bekommen, also nehme ich meinen eigenen Weg. Sie nehmen meine Hilfe ohnehin nicht an, also gehe ich zumindest aus dem Weg. Während ich nach unten kraxeln und die Portugiesen endlich ankommen, höre ich den Koch hinter mir murmeln, „noch eine Person zum retten“ und muss mir das Lachen endgültig verkneifen. Nein, vielen Dank aber ich brauche nicht gerettet zu werden, ich bin ein Tollpatsch, aber dieser Abhang liegt gerade noch so im Machbaren J

 

Eine einsame, aber dafür wunderschöne Expedition habe ich an meinem freien Tag am Montag unternommen. Bei wunderschönem Sonnenschein und warmen Temperaturen bin ich die zwölf Kilometer zum Norefjell hinauf gewandert. Oben war es dann, völlig verschwitzt wie ich war, eher ungemütlich kalt und windig, aber die Aussicht hat sich auf jeden Fall gelohnt und diesen mächtigen Berg in unserer Umgebung muss man ja schon fast einmal gesehen haben. Zudem macht ein Picknick im Freien doch immer Freude, insbesondere da es im Hotel momentan eine Kartoffelwoche zu geben scheint. J

 

 

Hochzeit, Sturm und Frühlingsgefühle

 

Letztes Wochenende stand eine weitere Hochzeit auf dem Programm, zusammen mit einer Gruppe Skifahrer bedeutete das einmal mehr extrem viel Arbeit für uns. Vor allem am Sonntag, als die Skifahrer um 7 Frühstück hatten und die Hochzeitsgesellschaft dann von 8 bis 11. Zusammen mit den rund vierzig Zimmern, die geputzt werden wollten, wuchs sich der Sonntag zu einem 12h Arbeitstag für mich aus. Ich fing um sechs an und als ich um sieben Uhr abends von meinen Kollegen entlassen wurde, die später anfingen und jetzt noch fertig aufräumten, bin ich doch ziemlich müde,  aber glücklicherweise hat uns die Hochzeitsgesellschaft immerhin die Überreste des Dessertbuffets überlassen. Und für Erschöpfungsanfälle tagsüber gibt es bei uns ja stets ein paar Thermoskrüge mich Kaffee. J

 

Auch am Montag gibt es für uns noch einmal sehr viel zu tun, aber wenigstens fangen wir nicht so früh an und ich kann meine zwölf Stunden Arbeit mit zehn Stunden Schlaf kompensieren, am Dienstag habe ich zudem frei. Nebst Film schauen und lesen raffe ich mich aber auch zu einem Spaziergang auf und bin einmal mehr beeindruck von der Landschaft um Noresund. Es windet stark und bei mir kommen richtig Frühlingsgefühle auf, der See taut und Schnee hat es auch praktisch keinen mehr. Zum allerersten Mal kann man das Wasser tatsächlich plätschern hören und ich könnte vor Freude tanzen, während ich mit der Sonne im Gesicht und dem Wind im Haar über schlammige Wiesen laufe. Bis jetzt hatte ich nie das Gefühl, wirklich an einem Gewässer zu sein, ein zugefrorener See unterscheidet sich schliesslich nicht besonders von einer zugefrorenen Wiese. Besonders faszinierend finde ich hier aber die Wolken, weil es keine Berge wie zuhause gibt, sehen sie ganz anders aus und bewegen sich auch ganz anders, so schön. Am Abend spaziere ich dann noch über den Steg des Hotels und bestaune den aufgehenden Mond und die Sterne, auch wunderschön! Die Frühlingsgefühle bleiben auch in den folgenden Tagen bestehen, allerdings sind die warmen Temperaturen mit einem regelrechten Sturm verbunden. So einen starken Wind habe ich noch selten erlebt, zumindest nicht so weit vom Meer entfernt. Am Wochenende haben wir dann auch wieder etwas mehr Gäste, allerdings hält die Arbeit sich dieses Mal in einigermassen vernünftigen Grenzen.

 

 

Portugiesisch, Tschechisch, Russisch, Norwegisch und Deutsch

 

Die letzten, eher ruhigen Tage geben mir die Gelegenheit, dich einmal genauer in unsren Hotelalltag mitzunehmen. Wenn ich das Frühstück vorbereite, heisst es bereits um halb sechs Tagwache, ziemlich früh für einen Morgenmuffel wie mich… Die Nachtschicht bereitet die kalten Speisen vor, ich bin für die Eier, das Brot, Kaffee und Speck zuständig. Meistens heisst es dann in erster Linie warten, da die Gäste nach und nach eintrudeln und ich stets ein Auge darauf haben muss, dass nichts ausgeht. Wenn ich Glück habe, sind um zehn alle weg, es kann aber auch schon bis halb elf dauern, bis die letzten Gäste ihr Frühstück beendet haben. Dann heisst es aufräumen, abwaschen und putzen, eine Aufgabe die je nach der Anzahl der Gäste eineinhalb bis zwei Stunden dauert. Wenn ich Zimmer putze, beginnen wir meistens zwischen halb neun und zehn, je nach der Menge der Räume.

 

Eine Besonderheit in meinen Augen ist in jeden Fall die Tatsache, dass hier Leute aus halb Europa arbeiten. Wenn ich zum Beispiel in die Küche gehe, wird dort Russisch gesprochen, im Staffroom Portugiesisch, wenig später höre ich Tschechisch und aus der Reception schwegen Norwegische Wortfetzten herüber. Aber dieses Sprachwirrwarr hält uns nicht davon ab, noch mehr Nationen zu integrieren, einer der Köche hat in einem italienischen Restaurant gearbeitet, sodass auch Italienisch hin und wieder zum Zuge kommt, alle zusammen reden wir natürlich Englisch und selbst Französisch plaudern wir gelegentlich, wobei keiner von uns das wirklich beherrscht. Besonders spannend finde ich persönlich unsere Sprachvergleiche, wenn wir also das englische Wort nicht kennen und dann jeder einfach in seiner Muttersprache spricht. Wir finden immer wieder Ähnlichkeiten, gerade zwischen Deutsch und Tschechisch, aber gerade diese Sprache hat definitiv den Preis für ihre Komplexität verdient! Meine Güte gibt es da viele Spezialfälle.  Für mich besonders verwirrend sind indes Worte wie „Skinke“ oder „Agurk“, also wenn das norwegische Wort so viel näher am Deutschen ist als das Englische und ich aber trotzdem auf englisch in die Küche rufen soll, was ich brauche.

 

Aber ein bisschen Sprachchaos sorgt auch immer wieder für Lacher und überraschend oft verstehen wir uns trotz allem.

 

 

Putzen, Wandern und Frühstück vorbereiten

 

Montag: Aufräumen vom Wochenende. Obwohl wir am Sonntag schon den Grossteil der Zimmer geschafft haben, warten doch noch einige auf uns, genauso wie der „Round-wash“, eine Grossaktion zum Putzen der „Public Areas“, also die Korridore, Reception, Saloon, Hallenbad und der Toiletten.  Aus meinem freien Dienstag wird dann nichts, weil wir im Moment nur 3 Gäste haben, gibt es keine Nachtschicht und die Reception kommt erst um 7, ein Gast möchte aber um sieben schon frühstücken. Das bedeutet, dass ich um halb sechs aufstehe,  um für eine einzige Person das Buffet herzurichten. Nachdem die Frau gegangen ist und mein Chef im Bademantel zum Frühstück aufgetaucht, bin ich bereits wieder entlassen und geniesse die Morgenstimmung, bis meine House-Keeping-Kollegen auch wach sind und wir uns den Zimmern zuwenden können. Da das Wetter wunderschön ist und wir nicht so viel zu tun haben, packe ich am Nachmittag meine Sachen zusammen, ziehe mich warm an und spaziere los. Ziel der Expedition ist der Gipfel der Hügelkette, den ich bereits einmal beinahe erreicht habe. Dieses Mal gibt mir Jan aber eine Wegbeschreibung und anfangs komme ich auch gut vorwärts. Doch aus einem mir unerfindlichen Grund verwenden die Norweger blau zur Markierung von Wanderwegen und so verliere ich den Pfad mehrmals, zumal im Winter jede Lücke zwischen zwei  Bäumen wie ein Weg aussehen kann. Ich erreiche aber doch noch eine Hügelkuppe und die Aussicht ist alle Anstrengungen wert! Hier oben hat es wesentlich mehr Schnee als unten in Noresund und wegen Windverwehungen  sinke ich gelegentlich bis zur Hüfte ein. Dafür sehe ich das ganze Norefjell und im Süden bis fast nach Oslo! Doch hier oben verliere ich den Weg endgültig und nachdem ich eine ganze Weile herumgeirrt bin, drehe ich um, da die Sonne sich bereits bedenklich dem Horizont zuneigt. Vielleicht habe ich die hellblauen Markierungen einfach nicht gefunden, vielleicht liegen sie auch auf Steinen unter dem Schnee oder was weiss ich, aber von einem Wanderweg keine Spur… Also kraxle ich wieder herunter und komme schliesslich völlig fertig um halb sechs zurück. Müde und hungrig, aber sehr zufrieden stelle ich mich unter meine warme Dusche. Am Mittwoch habe ich dann sogar Muskelkater, aber heute ist mein freier Tag und so kann ich mich ausruhen. Und am Donnerstag dann wieder halb sechs aus den Federn, das Frühstück ruft, dieses Mal allerdings zumindest für 30 Gäste, so lohnt es sich wenigstens auch.  

 

 

Bergen, Wiedersehen und eine lange Zugfahrt

 

Auf diesen Moment habe ich in den letzten Tagen wirklich sehnsüchtig gewartet: endlich zwei Tage frei! Nach exakt 20 Tagen Arbeit am Stück war das auch dringend nötig, aber eigentlich gibt es etwas, auf das ich mich noch viel mehr gefreut habe: Meine Familie kommt mich besuchen und wir reisen gemeinsam nach Bergen! Unerfreulich an der ganzen Sache ist lediglich, dass ich am Montag um halb sieben aufstehen muss, um den Bus um sieben nach Hønefoss zu erwischen. Da ich vor meiner Abreise noch Tee koche, sind vielleicht auch meine Nachbarn nicht begeistert über meine frühe Tagwache J In Hønefoss bleiben mir zwei Stunden, die ich nach einem leichten Frühstück im Bus für einen Kaffee und das Besorgen des Zmittags für uns nutze. Da die grösseren Läden jedoch erst um 10 öffnen, muss ich dafür einen ordentlichen Weg auf mich nehmen, bis ich in einem Hinterhof inmitten von Gerüsten einen Rema 1000 finde. Die halbe Stunde Wartezeit auf dem Bahnhof kommt mir vor wie eine Ewigkeit und als der Zug endlich einfährt, bin ich richtig aufgeregt. Fünfeinhalb Wochen sind es her, seit ich die Schweiz verlassen habe, und genauso lange habe ich auch meine Familie nicht mehr gesehen! Ein Vorteil der etwa sechs Stunden langen Zugfahrt, die übrigens als eine der schönsten Zugstrecken Europas gilt, ist die Tatsache, dass uns viel Zeit zum Plaudern bleibt. Im Abteil neben uns sitzt eine weitere Familie mit zwei Jungs und das technische Equipment, das sie dabei haben, hätte so machen Geheimdienstmitarbeiter vor Neid erbleichen lassen. Wir fühlen uns da mit unseren Kreuzworträtseln und Gesprächen ziemlich old school. J Während wir bei Sonnenschein über die grösste Hochebene Europas, die Hardangervidda, zuckeln, picknicken wir richtig Schweizerisch, während es im Nebenabteil Wurst und Kartoffelsalat aus dem Zugskiosk gibt. Am Nachmittag erreichen wir schliesslich Bergen und auch hier ist das Wetter ganz akzeptabel. Nach dem Betten beziehen im Guesthouse (so habe ich mir meinen freien Tag eigentlich nicht vorgestellt J) erkunden wir die zweitgrösste Stadt Norwegens mit ihrem Unesco-Welterbe „Bryggen“, Lagerhäuser aus der Hanse-Vergangenheit Bergens. Als es dann doch noch zu  regnen beginnt, flüchten wir ins Trockene und plaudern bei Pizza weiter.

 

Bergen gilt als die regenreichste Grossstadt Europas, aber wir müssen schon echte Glückspilze sein, am Dienstag scheint für uns nach dem Frühstück sogar die Sonne. Wir schwitzen in den dicken Jacken, während wir den Industriehafen und eine Kirche besichtigen, dann gibt es Kaffee in der Sonne. Gegen Mittag setzten wir ins uns wieder in den ganz komfortablen Zug und zuckeln von 0 m.ü.M. wieder hinauf auf knapp 1‘300. Das Wetter verschlechtert sich zusehends und schliesslich schneit es sogar, draussen ziehen Eltern ihre teils noch sehr kleinen Kinder dennoch weiterhin unbeirrt über die Loipen. Verrückt, diese Norweger.  Kurz vor Hønefoss bleiben wir dann mit dem Zug auch noch stecken, ein Entgegenkommender erlitt offenbar einen Lokomotivenschaden und blockiert nun den Bahnhof und obwohl wir nur wenige Meter vom Perron entfernt sind, müssen wir warten. Ordentlich verspätet kommen wir dann aber doch noch an und checken im Grandhotel ein. Aus dem anfänglichen Bier wird gleich ein Abendessen, das Hotel bietet für einen sehr moderaten Preis ein Abendessen-Büffet mit einer kleinen Auswahl. Bevor es dann ins Bett geht, spielen wir noch einige Runden „King in the Corner“ und beim Versuch, anschliessend ein Buch ins Regal zurück zu legen, schmettert mein Vater das gerahmte  Foto des Königs zu Boden. Keine gute Idee in einer Monarchie… Uns haben die Scherben aber zumindest Glück gebracht, wir dürfen trotzdem bleiben J

 

Am Mittwoch muss ich dann zurück zur Arbeit, so viel zu tun gibt es allerdings nicht und mir bleibt auch genügend Zeit, um noch ein Buch fertig zu lesen, das dann auch gleich zurück in die Schweiz kann. Am Donnerstag verbringen wir dann noch einmal ein paar gemeinsame Stunden und erkunden erst das Ufer des wirklich gigantischen Kroderen-Sees, sowie die Talstation des Norefjells, dann gibt’s Znacht im Lilla Asia in Noresund Downtown. Das Essen ist eher eine Enttäuschung, aber dafür haben wir es umso gemütlicher und plaudern bis es längst dunkel geworden ist. Der Abschied fällt uns wohl allen nicht ganz leicht…

 

Auch am Freitag überarbeite ich mich nicht, das Wochenende wird dann aber intensiv, da ich erst das Frühstück überwache und dann auch noch putze. Am Sonntag gibt’s daher wieder einen 10 Stunden Tag, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Anzahl Gäste sich innerhalb eines Tages von 62 auf 2 reduziert hat, kann ich mich während der nächsten Woche durchaus wieder erholen. Könnte also schlimmer sein ;)

 

Müüüüdeeeee

 

Eine weitere intensive Arbeitswoche steht bevor. Wegen personellen Ausfällen habe ich die Frühstücksschicht die ganze Woche über, also jeden Tag um halb sieben aufstehen. Dafür werde ich mit traumhaften Sonnenaufgängen belohnt und komme mit einigen Gästen ins Gespräch. Einige von ihnen bleiben über mehrere Tage und spätestens nachdem ich ihnen klar machen musste, dass ich leider kein Norwegisch verstehe, werden sie neugierig, woher ich denn komme. Wenn ich sie aber aufkläre, sorgt das immer wieder für Verwirrung,  warum arbeitet denn jemand aus der reichen Schweiz in einem Hotel in Norwegen? Es scheint schwer verständlich, dass ich wegen des Landes und nicht wegen dem Geld hergekommen bin. Finanziell macht die ganze Aktion nämlich auch nur sehr bedingt Sinn ;). Vor mir liegen lange Tage, trotzdem schaffe ich es, ein paar kürzere oder auch längere Spaziergänge zu unternehmen und erklimme sogar einen der uns umgebenden Hügel, von den Einheimischen auch liebevoll „Berge“ genannt. Die Aussicht ist wunderschön und vor allem geniesse ich die Sonne, beinahe hätte ich mir allerdings das Gesicht verbrannt… Zwei Mal folge ich auch einfach dem Seeufer, lausche dem Knacken des Eis und geniesse das warme Wetter. Auch die Tage sind mittlerweile merklich länger geworden, um sieben Uhr dämmert es schon und seit meiner Ankunft hat sich der Sonnenuntergang um mehr als eine Stunde nach hinten verschoben! Der Frühling scheint bereits begonnen zu haben, ganz Noresund verwandelt sich tagsüber in einen See über in den kalten Nächten in eine Eisfläche. Den Norwegern scheinen vereiste Strassen und Gehwege jedoch herzlich egal zu sein, vor allem die grosszügigen Trottoirs sind die Hölle. Für manchen Autofahrer muss es ausgesehen haben, als würde ich tanzen, während ich versuchte ohne hinzufallen einkaufen zu gehen. Gegen Ende der Woche zieht der Gästestrom dann noch einmal an, die Tage mit bis zu neun Stunden Arbeit  sind zumindest für mich recht anstrengend. Am Samstagnachmittag kehrt dann zum ersten Mal seit längerem wieder etwas Ruhe ein. Draussen beginnt es zu schneien und die Erschöpfung aller Mitarbeiter, die bereits seit drei Wochen durcharbeiten, bahnt sich langsam aber sicher einen Weg. Am Sonntag ist die Luft dann endgültig draussen, wir Housekeeper werden immer langsamer und aus der Küche sieht man auch nur lange Gesichter, viele sind auch erkältet. Aber nächste Woche wird zum Glück ruhig, also bleibt uns etwas Zeit, um uns zu erholen. Für mich steht ein Highlight meines Norwegenaufenthalts auf dem Programm, mit Ausruhen wird es also nicht viel, dafür hoffe ich auf unvergessliche Stunden. Mehr dazu dann aber nächste Woche.

 

 

Putzen, Putzen und Putzen

 

Unglaublich, aber diese Woche bin ich tatsächlich schon einen Monat in Noresund! Es fühlt sich an, als wäre ich gerade erst hergekommen! Auf die andere Seite fühle ich mich im Solehotel aber auch schon ziemlich heimisch und habe viele Abläufe automatisiert. So weiss ich mittlerweile wo das Zimmer 39 liegt, wo der nächste Putzraum ist und auch wie es im Inneren aussieht. Ich weiss, wo ich neues Toilettenpapier finde, wie man bei der Abwaschmaschine das Wasser wechselt und Kaffee kocht. Es dauert kein halbes Jahrhundert mehr, bis ich ein Bett bezogen habe, ich muss nicht mehr gross darüber nachdenke, ob ich auch ja nichts vergessen habe beim Zimmer machen und auch beim Vorbreiten des Frühstücks muss ich meinen Spickzettel nicht mehr dabei haben. Auch nach einem Monat fühle ich mich hier immer noch wohl und es gibt nur wenige Momente, in welchen ich meine Heimat vermisse. Natürlich fehlen mir meine Familie und mein Freund, es gibt aber auch ein paar Sachen. Auf Platz eins der Dinge, also nicht Menschen, die ich vermisse, ist sicherlich der Turnverein, des Weiteren aber auch eine Badewanne, unsere Katzen oder ein Serienabend mit meiner Schwester.

 

Diese Woche war indes hier sehr arbeitsintensiv, auf die Aufräumarbeiten nach der Hochzeit folgte eine Konferenz, die erneut den Grossteil der Zimmer belegte. Während diesen intensiven, teils 10h Tagen hatte ich viel Zeit, die Einrichtung in den Räumen etwas genauer zu studieren. Insbesondere bei den Wasserhähnen, Toiletten und Duscharmaturen gibt es hier eine unglaubliche Vielfalt. Dieses Sammelsurium geht vermutlich auf unzählige Reparaturen zurück, auf den Betrachter macht es aber eher den Anschein, als ob der Besitzer des Hotels eine möglichst grosse Artenvielfalt hätte erzeugen wollen. J Das trifft übrigens auch auf die technischen Geräte wie Fernseher (Daewoo, Grunding, Samsung, Dele…), Kühlschränke, Telefone oder Wecker zu und so manches dieser Relikte würde man eher in einem Museum vermuten als in einem Hotel. Funktionieren tun sie aber tatsächlich noch alle!

 

 

Diverse Kater, Villa Fridheim und eine Hochzeit

 

Am Montag drehen die Uhren im Solehotel etwas anders. Zwischen halb zwölf und halb eins stolpern die einzigen Bewohner, also wir, die Mitarbeiter, nach und nach zum Frühstück. Mir persönliche geht es nicht schlecht, ein bisschen Kopfschmerzen, aber könnte wesentlich schlimmer sein. Dazu kommt noch Muskelkater vom Wasserball! Die übrigen Partygäste sehen allerdings eher mitgenommen aus und unsere Besucher vom Nachbarhaus amüsieren sich dementsprechend. Ich sei halt noch jung, ist die gängige Antwort darauf, dass ich nicht klagen kann, sie sind ja alle mindestens sechs Jahre älter als ich. J Dank meiner neuesten Anschaffungen, einem Halbliter-Thermosbecher, kann ich mir ordentlich Tee einflössen, während wir einen unfassbar ineffizienten Tag verstreichen lassen. Um halb vier treffen wir uns zum Mittagessen und aus der Küche, die als einzige einen halbwegs normalen Betrieb hatte, bekommen wir sogar noch Waffeln! Hmmm…

 

Die folgenden Tage überarbeiten wir uns nicht, haben aber doch immer etwas zu tun. Das ganze Hotel befindet sich in einer Art „Panik vor der kommenden Hochzeit“, wir versuchen so viel wie möglich vorzuarbeiten, aber vieles ist einfach nicht machbar. Also versuchen wir uns wenigstens auszuruhen, damit wir mit vollen Batterien starten können. Am Dienstag haben wir früh begonnen und so habe ich am Nachmittag Zeit, eine kleine Wanderung zu unternehmen. Bis zur „Villa Fridheim“, einem ehemaligen Ferienhaus im norwegischen „Swiss-Style“, sind es etwas mehr als vier Kilometer, weil man um den halben See laufen muss (leicht übertrieben J) Luftlinie wären es nur ein paar hundert Meter übers Wasser, aber ich habe ja ohnehin Zeit. Es hatte am Mittag noch geschneit, aber jetzt scheint immer mal wieder die Sonne und ich geniesse die Aussicht auf den halb gefrorenen See und die norwegischen Häuser. Die Menschen blicken mich aus ihren Autos leicht verwirrt an, liegt vermutlich daran, dass man hier kaum zu Fuss geht, warum auch? Nach einer Weile friere ich ein wenig, doch zumindest meine Schuhe sind super! Kein bisschen kalte Füsse. Die Villa ist wirklich beeindruckend, heute befindet sich in diesem Gebäude ein Märchenmuseum und es gilt als schützenswert, weil es den traditionellen Baustil für ein frühes Landhaus aufzeigt. Der Rückweg zieht sich dann allerdings, vor allem weil das Hotel auf der anderen Seeseite zum Greifen nahe wäre und die Sonne jetzt untergegangen ist und es verdammt kalt wird. Endlich wieder zurück in meinem Zimmer bin ich sehr froh wieder in der Wärme zu sein, insbesondere meine Beine sind trotz Strumpfhosen und Jeans ziemlich kalt geworden… Aber für etwas habe ich hier ja eine heisse Dusche und eine Heizung.

 

Das Wochenende ist dann sehr intensiv, für die Küche und den Service der Samstag, für uns Housekeeper eher der Sonntag. Auf dem gesamten Areal des Hotels werden Norwegenflaggen und Kerzen aufgestellt, weisse Schleifen an den Türen, es sieht wirklich schön aus, wir verteilen Schokolade in den Zimmern, am Nachmittag haben wir dann nicht viel zu tun, also mache ich einen weiteren Spaziergang. Die Sonne scheint seit langem wieder einmal richtig und alles ist frisch verschneit, die Landschaft ist wirklich beindruckend. Glücklicherweise ist es heute auch eher warm und ich kann mich auch einen Moment hinsetzten und zeichnen, ohne das mir meine Finger abfrieren. Am Abend mache ich dann auch noch einen kurzen Nachtspaziergang, denn es ist Vollmond und zusammen mit dem gefrorenen See ist das ein beeindruckendes Schauspiel.

 

 Und dann kommt der Sonntag… Wir beginnen beizeiten, weil die Portugiesen und ich beim Frühstück mitarbeiten. Einmal mehr bin ich erstaunt, wie gut die Leute hier zusammenarbeiten und jeder jedem hilft, trotz etwas Stress bleibt die Stimmung super entspannt und für einen Scherz bleibt immer Zeit. Nachdem der grösste Run auf das Buffet vorbei ist, werden wir entlassen, also essen wir etwas und machen dann einen regelrechten Marathon, um die Zimmer, die bereits wieder belegt werden, für drei Uhr bereit zu haben. Es ist anstrengend und knapp, aber wir schaffen es. Danach atmen wir tief durch und arbeiten dann bis 18.30 weiter. Ich hätte nie gedacht, dass Betten machen so viel Zeit in Anspruch nimmt… Nach 20 Betten und etwa halb so vielen Zimmer bin ich fertig und die anderen auch. Wir essen noch eine Kleinigkeit und legen dann die Füsse hoch, heute gehe ich definitiv beizeiten ins Bett!

 

 

Drammen, Hønefoss und Silvesterparty

 

Am Donnerstag findet Georg dann endlich Zeit, um mit mir nach Drammen zu fahren und mir zu helfen, mich bei den Steuerbehörden zu registrieren. Da wir nur einen „Staying-Room“, also ein Zimmer, das belegt ist, haben, kommen die beiden Portugiesen auch mit, um den Ort Drammen zu besichtigen. Wir stehen beizeiten auf, um 8 wäre theoretisch Abfahrt. Das Wetter ist jedoch ziemlich übel, es regnet und ist kalt. Wir frühstücken und Georg fällt ein, dass ich noch einen Vertrag brauche, also bastelt er noch rasch einen zusammen. Dementsprechend wird es halb neun, bis wir pronto sind. Die Fahrt dauert fast eineinhalb Stunden und unser Weg führt uns durch komplett unbewohnte Wälder, Bäume, Bäume, Bäume ohne Ende. Es regnet noch immer, trotzdem finde ich die Landschaft wunderschön. In Drammen angekommen, heisst es anstehen, dann ist die Anmeldung innerhalb weniger Minuten erledigt. Während wir warten, fällt meinem geschätzten Chef ein, dass wir ja noch ein Formular hätten ausfüllen sollen… Meine Güte, ich bin ja auch manchmal zerstreut, aber wie kann man so planlos durch die Gegend rennen, wenn man ein Hotel führt? Ich staune. Nach einem Kaffee fahren wir wieder zurück, das schlechte Wetter hat die Entdeckungsfreude unsere beiden Portugiesen auch gedämpft. Auf der langen Autofahrt haben wir genügend Zeit um die aktuelle Weltpolitik und andere relevante Themen zu diskutieren und Georg zeigt uns noch eine der letzten verbliebenen Kerzenfabriken in Norwegen. Ein hässliches, graues Gebäude, wenn wir ehrlich sind.

 

Da auch am Freitag kaum Gäste da sind, bekomme ich einen weiteren freien Tag, den ich nutze um den Ort Hønefoss etwas genauer zu erkunden. Eigentlich hätte ich die Stadt gerne bei schönem Wetter besucht, um einmal einen anderen Eindruck zu bekommen, schlechtes Wetter kenne ich ja schon vom letzten Mal J Aber was soll man sonst an einem freien Tag machen, wenn man in Noresund wohnt? Die Busfahrt dauert 48 Minuten und einmal mehr geniesse ich die Aussicht, die vielen Bäume  und die wenigen Autos. Menschen trifft man sowieso kaum an und die anderen Passagiere sind alle mindestens 60. In der „Zivilisation“ zieht es mich als erstes in ein Kaufhaus um mir Mittagessen und vor allem einen Thermosbecher zu kaufen. Zu meiner Überraschung schaffe ich es sogar, mir ein neues Skizzenbuch zu besorgen! Dann gibt es Sightseeing, wobei man nach zwei Stunden vermutlich alles Wichtige gesehen hat. Eine weitere interessante Aufgabe stellt die Beschaffung von Zigarettenfiltern für meine Kollegen dar, offenbar gibt es diese nur an ganz bestimmten Stellen und das die Frau hinter dem Tresen kein Englisch spricht, macht das Ganze noch viel unterhaltsamer. Schliesslich gönne ich mir noch einen Kaffee in einem sehr gemütlichen Lokal, dann fahre ich wieder zurück.

 

Am Samstag arbeiten dann wir wieder normal, überarbeiten tun wir uns aber nicht. Erst Frühstück vom Buffet, weil die Gäste schon fertig sind, dann putzen und schliesslich wieder Badezimmerfugen mit Chlor schrubben. Die meisten meiner Kleidungsstücke, die ich zum Putzen trage, haben jetzt stylische Chlorflecken. J

 

Am Sonntagabend haben wir nun keinen einzigen Gast! Wir putzen natürlich noch die verlassenen Zimmer, dann aber verfällt das gesamte Hotel in eine Art Schlaf. Ein paar Stunden am Nachmittag kehrt völlige Ruhe ein, diese wird dann aber jäh unterbrochen, als der Grossteil der Mitarbeiter hinunter zur Sauna und zum Pool geht. Wir saunieren, kratzen das bisschen Schnee vor dem Hotel zusammen, um uns abzukühlen und spielen im Pool Volleyball und dann Wasserpolo. Insbesondere zweiteres war teilweise sehr intensiv, Regeln bezüglich „den Gegner unter Wasser drücken oder an den Beinen festhalten“, gibt es fast keine. Am anderen Morgen haben wir dann auch alle Muskelkater… Von diesen ausgiebigen Spielen erschöpft, essen wir zu Abend und verstricken uns dabei in eine sehr intensive Diskussion über den Feminismus, der die Gemüter am Tisch ordentlich erhitzt. Doch die anschliessende Neujahrsparty vereint alle wieder und während wir verschiedene Getränke probieren, welche die Gäste noch unangebrochen in ihren Zimmern zurück gelassen haben, wenden wir uns dann leichteren Themen zu. Da das Hotel an Silvester ausgebucht gewesen war, hatten die Angestellten keinerlei Zeit gefunden selbst zu feiern, und das bis jetzt. Es ist bereits nach zwei Uhr morgens, als wir uns endlich bei leichtem Schneefall auf den Weg zu unseren Zimmern machen.

 

 

 

Spielabende, Dreigangmenü und Bullerbü

 

Vor uns liegt eine geruhsame Woche, bevor dann am nächsten Wochenende die Hölle losbricht und wir mit innerhalb weniger Tage mehrmals ausgebucht sind! Diese ruhigen Momente die uns bis dahin bleiben, nutzen wir, um einen Spielabend am Montag zu veranstalten, am Dienstag sind wir dann einmal mehr zum Abendessen eingeladen. Linus, früher Chefkoch im Sole Hotell, kocht für uns einen Dreigänger und das Menu hat es wirklich in sich. Zur Vorspeise gibt es Gemüse und Muscheln, dann selbstgeräuchertes Poulet und Ofenkartoffeln, zum Dessert eine Kokospanacotta mit Mangostücken. Extrem lecker und vor allem auch wunderschön angerichtet, ein wahres Fest für Augen und Gaumen. Anschliessend sehen wir uns den Film „The Conjouring 2“ an, kein richtiger Horrorfilm, aber wie ich finde doch ziemlich gruselig. Ich hüpfe auf jeden Fall ein paar Mal vor Schreck vom Sofa, zu meiner Verteidung kann aber gesagt werden, es ging den anderen auch so. Am Mittwoch machen die beiden Portugiesen dann frei und gehen mit Linus und Jan Eisfischen, ich bleibe im Hotel und putze die zwei Zimmer, die anfallen. Am Nachmittag habe ich aber auch frei und mache mich einmal mehr auf den Weg, die Umgebung erkunden. Eigentlich wollte ich zu einer Insel, die man nur über eine Brücke erreicht, aber schon nach kurzer Zeit gibt mein zugegebenermassen schon etwas akkuschwaches Handy in der beissenden Kälte den Geist auf und ich biege mehrmals auf gut Glück ab, sodass ich schliesslich schon eine ganze Weile unterwegs bin, bis ich den 3km Wegweiser sehe. Da es auch nicht mehr so lange dauert, bis es ein dunkelt, beschliesse ich mich einfach an den See zu setzten und Zvieri zu essen und dann zurück zu gehen. Ich geniesse meinen Riegel, aber um die Orange zu schälen ist es einfach zu kalt, selbst mit Handschuhen fallen mir schon fast die Finger ab. Also spaziere ich zurück und wundere mich, denn von zwei Joggern einmal abgesehen, trifft man hier eigentlich überhaupt keine Fussgänger an. Die Norweger scheinen selbst für kurze Distanzen lieber ins Auto zu springen als zu laufen. Den einzigen Menschen, den ich sonst noch draussen sehe, ist bezeichnenderweise ein Baustellenarbeiter, der kurzärmlig durch die Gegend spaziert. Das Kälteempfinden dieses Volkes ist wirklich seltsam! Auf den letzten Metern treffe ich noch ein Mädchen, das einfach mitten auf dem Gehweg ein paar Räder schlägt und dann vergnügt weiter hüpft, ich bin beeindruckt! Zur Villa Friedheim habe ich es leider nicht geschafft, dafür habe ich bei einem meiner Umwege Bullerbü gefunden! Zumindest sieht es beinahe so aus und ich finde, dass war den Spaziergang schon wert.

 

 

 

Chlor, Kaffee und alte Minen

 

So wahnsinnig viel Action gibt es hier nicht, das wird bald schon klar. Ich werde nach und nach weiter in die Materie des Putzens eingearbeitet und nachdem ich das Frühstücksbuffet ja schon gemeistert habe, werde ich auch im Housekeeping aproved. Da wir nach wie vor nicht besonders viele Gäste haben, gibt es auch nicht besonders viel zu tun, in erster Linie trinken wir Kaffee, Essen und tiefschürfende Diskussionen über die Klimaerwärmung, Weltpolitik, Fremdsprachen und weiss Gott was alles. Der bunte Mix aus Nationalitäten macht solche Meinungsverschiedenheiten noch viel interessanter. Ein paar der Badezimmer erhalten zudem noch eine intensive Chlor-Behandlung, Schmutz und Ablagerungen in den Fugen zwischen den Duschkacheln werden von uns in liebevoller Handarbeit mit Küchenschwämmen abgeschrubbt. Ein bisschen Improvisationstalent scheint hier durchaus in allen Bereichen angebracht zu sein. Ein Beispiel dafür ist, dass wir unsere Putzsachen in Eimern von Zimmer zu Zimmer tragen, solche Putzwagen wie ich sie zumindest aus anderen Hotels kenne, gibt es hier nicht. Und auch ansonsten verbringt man in den alten, verwinkelten Holzwänden viel Zeit damit, Staubsauger, frische Handtücher und Putzwasser hin und her zu schleppen. Sport ist da zumindest überflüssig. J Ich nutze die Zeit auch für ein paar Spaziergänge in der näheren Umgebung, allerdings hat man die paar Häuser von Noresund relativ schnell gesehen.

 

Am Donnerstag habe ich dann frei und nun beginne ich mich wirklich zu langweilen. Was tut man bei mässig schönem Wetter in einem Kaff wie Noresund? Ich skyppe mit meiner Familie, beantworte Mails und schaue Youtube-Videos. Trotzdem, der Tag scheint einfach nicht vorüber zu gehen. In diesem Sinne ist es schon beinahe eine Erleichterung, am Freitag zumindest wieder ein paar Zimmer machen zu können. Wir putzen fleissig und so haben wir auch heute wieder einen halben Tag frei. Am Samstag das selbe in Grün, oder Wettermässig eher grau, zumindest kommt heute aber noch ein Chlor- und Putzmitteleinkauf im Spar hinzu und wenig später ziehen einige von uns los, um die alten Minen zu besichtigen. Glücklicherweise begleitet uns Jan, der schon seit Jahren hier arbeitet und die Umgebung einigermassen kennt, trotzdem ist dieser Ausflug ein ziemliches Abenteuer. Wir kraxeln über Felsen, rutschen über riesige Eisblattern, strolchen durch den Wald und geniessen trotz tiefhängenden Wolken die Aussicht auf den gefrorenen See. Mit dem letzten bisschen Tageslicht kehren wir dann zum Solehotel zurück und stärken uns mit Joghurt und Brot. Dann heisst es einmal mehr, irgendwie Zeit totschlagen. Zumindest habe ich mit Schreiben ein Hobby, das man hier auch sehr gut ausüben kann. Der Sonntag wird dann zum ersten Mal etwas intensiver, wir arbeiten sechs Stunden und ich frage mich ernsthaft, wie wir die Hochzeit am kommenden Wochenende überstehen sollen. Wird bestimmt sehr spannend. Ein weiteres kleines Wunder findet am Nachmittag statt: Es schneit! Zwar nur circa 2cm, aber immerhin, es sieht jetzt tatsächlich nach Winter aus. Nachdem wir unsere Arbeit erledigt haben, bleibt uns noch etwas Zeit zur Erholung, dann sind wir einmal mehr zum Abendessen, diese Woche slowakisch, und Film eingeladen. Wie auch schon letzte Woche wird daraus ein sehr lustiger Abend mit spannenden Gesprächen und sehr leckerem Essen. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich hier mit so offenen Armen begrüsst werden würde!

 

 

Ausgedehnte Korridore, Frühstücksschlachten und Filmfreuden

 

Mein erster Arbeitstag besteht in erster Linie darin, dass ich herumgeführt werde, man mir zeigt wie was wo gemacht wird und ich gefühlt die Hälfte gleich wieder vergesse. Speziell ist vor allem, dass die Bettdecken nicht wie bei uns der Länge nach gedrittelt werden, sondern an der kurzen Seite, sodass sie dann wie eine lange Wurst über das Kopfkissen bis ans Fussende gelegt werden. Auch gibt es nicht nur eine Matratze sondern zwei, eine normale Dicke und eine dünne obendrauf, das Betttuch wird dann über dieses gelegt. Interessant. Dazu kommt die wohl überall existierende komplexe Lappenpolitik, weiss für die Küche, pink für die Zimmer und blau für die Toiletten. Das schwierigste ist für mich aber, dass das Hotel aus mehreren (drei oder vier, meine Instruktors konnten sich nicht einigen) Teilen besteht, die komplett unterschiedlich sind. Es gibt unzählige Räume mit Putzsachen, verschiedenste Treppen, Korridore und mache Teile sind sogar ausserhalb des Hauptgebäudes, ich bin völlig konfus. „So jetzt gehen wir zu Zimmer 33“ und ich gehe bestimmt in die falsche Richtung. Vielleicht sollte ich mir einen Plan zeichnen… Am Nachmittag habe ich frei, es gibt keinen Schnee und folglich auch kaum Gäste und so spaziere zu einer Kirche mit dem wohlklingenden Namen „Olberg“. Allerdings hat das Tauwetter sämtliche Wiesen, Gehwege und selbst den Platz vor dem Hotel mit einer teils Zentimeter dicken Eisschicht überzogen. Eigentlich ein Wunder habe ich mich nur einmal auf die Fresse gelegt. J Die Sonne verschwindet um halb vier, und das obwohl es hier überhaupt keine Berge hat, aber es bleibt noch lange Dämmerig und ich geniesse die wunderschönen Stimmungen über dem teilweise gefrorenen See.

 

Nach der Einführung ins Zimmerputzen ist heute die genaue Instruktion für das Frühstück dran. Mir schwirrt der Kopf, so viele Geräte, Tasten, Zeiten und norwegische Worte die ich mir merken muss. Ich hatte keine Ahnung, wie aufwändig ein Frühstück auch schon nur für neun Personen sein kann. Nachdem wir auch die letzten Brotkrümel beseitigt haben, ist es kurz vor zwölf und schon bald Zeit fürs Mittagessen. Danach zeigt einer der Männer, die schon lange hier arbeitet, einen Aussichtspunkt. Besonders beeindruckend finde ich, dass wir ausser einigen gigantischen Eisflächen kein bisschen Winter finden, während der Rest von Europa im Schnee versinkt. Die Sicht über den halbvereisten See und die Hügel, über welche die Sonne kratzt, ist wunderschön!

 

Dritter Arbeitstag und ich werde gleich mit der Alleinaufsicht über das Frühstück betraut. Es sind zwar nur siebzehn Gäste, aber dennoch. Anfangs bin ich etwas in Panik, aber es klappt besser als erwartet, keiner der Gäste hat sich beschwert J Danach heisst es aufräumen und dass dauert tatsächlich bis halb eins. Ich bin jetzt schon froh um jeden Zentimeter Teppich im Hotel, denn man zumindest nur saugen muss und nicht auch noch aufnehmen. Zum Zmittag gibt es Kartoffeln, bis jetzt gab es eigentlich immer nur Kartoffeln… Ausser einmal, da hatten wir nichts mehr Schlaues im Kühlschrank und dann gab es Spaghetti mit Ketchup. Kein Kulinarischer Höhenflug aber ein Frevel, denn ich ohnehin unbedingt einmal probieren wollte. Weil hier die Läden auch am Sonntag offen haben, spaziere ich bei ziemlich kalten Temperaturen zum Kiwi und kaufe mir Joghurt. Weil man Joghurt einfach immer brauchen kann. Mit meinem Skogsbaer-Joghurt schwelge ich in Erinnerungen an unsere letzten Norwegenferien. Den Abend verbringen wir dann bei Freunden der anderen Arbeiter im Hotel, es gibt tschechische Gulasch, Nationenübergreifende Diskussionen und dann einen spannenden Film, der ebenfalls in Tschechien spielt: Antrophoid. Ziemlich harte Kost, aber doch auf jeden Fall sehenswert. Um halb eins schlittern wir zum Hotel zurück und ich falle erschöpft in mein Bett. Es hätte mich definitiv schlimmer treffen können mit meinen Mitarbeitern!

 

 

  

Gestrandet im Nirgendwo, Gammelfisch und Spuckgeschichten

 

Glück gehabt, der Laptop ist nicht eingefroren. Das hat nichts mit dem „ich bin jetzt im kalten Norwegen-Geschwätz“ zu tun, nein, dass meine ich durchaus ernst. Die Reise in den „hohen Norden“ war ziemlich abenteuerlich und begann verdammt früh. Kurz vor fünf heisst es aus den Federn und schnell noch die letzten Handgriffe am mittlerweile sehr schweren Gepäck, dann bringen meine Eltern mich nach Sargans. Von leichten Meinungsverschiedenheiten mit meinem antiquierten Kofer und dessen kriminell kleinen Rädern einmal abgesehen komme ich wohlbehalten am Flughafen an. Die Gepäckaufgabe verläuft ebenfalls reibungslos und nachdem ich auch den Securitycheck gemeistert habe, atme ich das erste Mal auf, nun bleibt mir auch etwas Zeit zum Zeichnen und um die übrigen Passagiere zu betrachten. Warum fliegen sie nach Norwegen? Sind es wehmütige Heimkehrer? Oder Geschäftsmenschen, die nur für eine Stipvisite nach Oslo fliegen? Touristen? Schliesslich stolpere ich mit all diesen Unbekannten in das mit Abstand kleinste Flugzeug, dass ich je betreten habe. Es scheint keine übermässige Nachfrage zu geben… Ich quetsche mich an meinen Fensterplatz und amüsiere mich über den typischen Geschäftsmann, den ich als Sitzpartner habe., er telefoniert fleissig und haut über den Wolken sogleich in die Tasten seins Macbooks, während des Starts und der Landung liest er eine Technik-Fachzeitschrift. Zu meiner Überraschung findet er dazwischen sogar noch kurz Zeit, um mit mir zu plaudern und mir seine eigenen „Norweger-Erlebnisse“ zu berichten. Ich bin währenddessen vor allem von der immer kleiner werdenden Landschaft vor dem Fenster fasziniert, zumindest so lange sie noch nicht von Wolken und Nebel verschluckt wird. Doch kaum sind wir über den Wolken, geraten wir in ziemliche Turbulenzen, das Flugzeug ächzt, wankt und hüpft, als würde es Rodeo machen. Während ich mich an den Stift kralle, den ich gerade erst aus dem Rucksack genommen habe, liest der Mann neben mir friedlich weiter. Wir steigen noch etwas und von da an verläuft der Flug ruhig. Wir bekommen ein Gipfeli und etwas zu trinken und ein circa 30 jähriger Flight Attendant erzählt der Frau hinter mir, dass dieses Flugzeug älter ist als er. Wer bitte will so etwas schon wissen? Ich auf jeden Fall nicht. Als ich den Flugzeugtyp später Google (eine Focker 100), erfahre ich, dass auch das neuste Flugzeug dieses Typs mindestens gleich alt ist wie ich. Sehr beruhigend... Immer wieder kann ich durch die Wolkendecke auch nach unten blicken und zum Beispiel die Schären bewundern, die meiste Zeit über liegt unter uns aber ein flauschiges Meer aus weisser Watte und ich lese. Der Landeanflug auf Oslo ist geprägt durch beeindruckende Lichtspiele zwischen Wolken- und Nebeldecke, ein unglaublich hellblauer Himmel und die Reflektionen der Sonne. Doch dann tauchen wir in die graue Suppe ein und das Wetter am Boden ist eine ziemliche Enttäuschung. Es liegt zu meiner Überraschung kaum Schnee, höchstens ein paar Zentimeter. Auch der Flughafen ist etwas eine Enttäuschung, ich habe von einem sehr schönen Gebäude gelesen, aber als ich dort eintreffe ist natürlich, wie könnte es auch anderes sein, alles eine riesige Baustelle. (Ich glaube langsam wirklich, dass auf mir ein Baustellen-Fluch lastet) Dafür empfängt uns der Geruch von frischem Holz, der allerdings wenig später von Fisch überlagert wird. Ich bekomme mein Scheusal von Koffer zurück und kaufe mich dann ein Joghurt, bis mein Bus geht, dauert es noch circa zwei Stunden und was gibt es besseres um sich die Zeit zu vertreiben als Essen? Zum Glück gibt es hier wirklich bequeme Stühle! Die Fahrt von Oslo Gardermoen nach Hønefoss dauert eine knappe Stunde und obwohl wir immer wieder die Sonne sehen, nicke ich dauernd ein. Doch das Erwachen in Hønefoss ist dafür umso brutaler, niemand steht bereit um mich abzuholen. Bevor meine Zehen blau werden überwinde ich mich anzurufen und Glück gehabt: Obwohl niemand meine Nummer kannte, wurde abgenommen. Also schildere ich das Problem und es kommt heraus, ich wurde erst morgen erwartet. Dumm gelaufen. Also warte ich noch eine weitere halbe Stunde in der beissenden Kälte, hoffe das meine Elektronik das überlebt und mir nichts abfriert. Als der Bus nach Noresund dann endlich losfährt, kann ich mich etwas aufwärmen, dummerweise steige nun aber ich am falschen Ort aus, offenbar gibt es sowohl in Sokna als auch in Noresund direkt neben der Bushaltestelle einen Kiwi (Lebensmittelladen) und eine Tankstelle. Schöner Mist. Now I’m stuck… Glücklicherweise rettet mich der Chef nach einer weiteren Wartezeit.Während der Fahrt plaudern wir etwas und ich bin verblüfft, als ich die Gebäude des Hotels vor mir sehe. Mehrere Holzhäuser, alles steinalt und energietechnisch wahrscheinlich der nackte Wahnsinn, aber ich habe gelesen, dass in Norwegen Strom sparen ohnehin nicht gerade gross geschrieben wird. Zwei Portugiesen erwarten mich bereits und lassen mich mein Zimmer aussuchen, erzählen mir vieles und sorgen dafür, dass ich mich sofort wohlfühle. Der Tag war, wie vermutlich zu erwarten, eine Achterbahn der Gefühle, Vorfreude, Furcht und Wehmut waren so eng verknüpft, dass ich meist kaum wusste, was wohin gehörte. Aber vor allem bin ich froh, endlich angekommen zu sein, das Organisieren der Hinreise mit diesen Hindernissen war für mich eine wahrliche Herausforderung. Beim Abendessen lerne ich auch noch einen Schweden kennen, der offenbar vom Chef nicht gerne gesehen wird und früher hier gearbeitet hat, sowie einen weiteren jungen Mann aus Tschechien. Die Gespräche drehen sich in erster Linie um die nicht wirklich geniessbaren Fleisch- und Fischkreationen der Norweger, aus den Tiefen der Kühltruhe wird auch noch ein riesiger Fisch hervorgezaubert, welcher der Schwede einst fing, der nun aber seit zwei Jahren in der Kühltruhe liegt. Er wird uns wohl verlassen müssen. Ich gehe relativ früh zu Bett, die Reise war anstrengend und ich habe noch etwas Schlaf von der letzten Nacht nachzuholen. Den Rat meiner Grossmutter beherzigend, habe ich eine Bettflasche mitgebracht und damit wird es in meinem Doppelbett sehr gemütlich. Vielleicht einmal davon abgesehen, dass ich mein Zimmer quasi auf der Strasse habe und die beiden Portugiesen, die gleich nebenan wohnen, verstehen würde, wenn sie nicht eine mir unbekannte Sprache sprächen.

 

Und in der Nacht passiert, was ich für schlicht unmöglich gehalten hätte: Ich erwache, weil mir einfach viel zu heiss ist! Es ist kurz nach sechs und ich habe das Gefühl, in meinem Zimmer sind 30 Grad. Ich entledige mich meiner Bettflasche und drehe die Heizung etwas zurück, dennoch ist es auch als ich kurz nach acht aufstehe, immer noch sehr warm. Ich lüfte etwas, ziehe mich an und gehe hinüber zum Haupthaus. Da die Gäste mit dem Frühstück bereits fertig sind, kann ich mich sogar vom Buffet bedienen, nicht schlecht. Während dem Essen unterhalte ich mich mit dem Tschechen und bald wird klar: In Noresund ist vermutlich noch weniger los, als ich geglaubt habe. Die unglaublich schlechten Busverbindungen nach Hønefoss, der nächsten etwas grösseren Stadt (falls man das denn so nennen kann) erinnern mich aber sehr an zu Hause und scheinen mir jetzt nicht so schlecht. Nach dem Frühstück bestaune ich den Himmel, der regelrecht in Flammen steht, und natürlich auch den zugefrorenen See. Zu guter Letzt spaziere ich noch etwas der Strasse entlang, bis der Kiwi in Sicht kommt, dann kehre ich in die Wärme (oder Hitze) meines Zimmers zurück. Schliesslich muss ich einen Blog schreiben! Am Nachmittag werde ich durch das riesige Hotel geführt, dass aus mehreren Teilen besteht und teils alt, teils etwas weniger alt ist und ein paar echt schöne Zimmer hat! Angeblich soll es hier sogar spucken. Und nachher versuchen wir, ein paar der verrückten Vögel die auch hier arbeiten und ich, eine schwedische Spezialität, fermentierter Fisch in einer Konservendose, zu öffnen. Weil das angeblich so sehr stinkt, gehen wir dafür ein Stück auf den gefroren See hinaus, zum Glück wird’s aber nicht ganz so schlimm wie erwartet. Verrückte Menschen, diese Arbeiter hier.

 


 

Norwegen-Fakten

Norwegen hat vieles zu bieten, auch so manche Skurrilität. Diese möchte ich hier zu lustigen Listen zusammenfassen, zusammen mit interessanten Fakten und dem wichtigsten Grundwortschatz. Fürs erste werden diese Updates immer am Dienstag online kommen.

 

Das kleine Frühstücks-ABC

 

Brot – brød

 

Brötchen - rundstykker

 

Orangensaft -appelsinjuice

 

Milch – melk

 

Butter – smør

 

Käse – ost

 

Wurst – pølse

 

Leberkäse – leverpostei

 

Erdbeermarmelade – jordbærsyltetøy

 

Himmbeermarelade – bringebærsyltetøy

 

Heidelbeeren – Blåbær

 

Guten Morgen – God morgen

 

Danke schön – takk

 

Bitte schön – vær så god

 

Die Geschichte des Solehotells

 

Die Geschichte des Solehotells, den gamle Doktorgaarden (Das alte Doktorhaus) geht zurück bis ins Jahr 1910. Dr. Halfdan Fritjof Thoresen liess 1910 die ersten Teile des Landsitzes mit einem Haupthaus, Ställen und einem Speicher erbauen. 1914 trat Dr. Peder Josef Carlsson seine Nachfolge an und praktizierte bis zu seinem Tod als Arzt in der Region. Das Anwesen vermachte er seiner langjährigen Haushälterin Anna Jorgine Lovald, welche die Immobilie 1959 an Olaug und Odd Rosen aus Oslo verkaufte. Die beiden eröffneten 1966  an diesem Ort das erste Hotel, damals mit 57 Betten/23 Zimmer. Schon kurz nach der Eröffnung erfreute das Hotel sich grosser Nachfrage und wurde fortlaufend erweitert, es kamen zum Beispiel zahlreiche Tagungsräume und ein Schwimmbad hinzu. Der grösste Konferenzsaal wird indes schon nach wenigen Jahren umbenannt, aus dem Jorgen Moe-Saal wird der Svein Eriks-Saal, benannt nach dem Vater des Gründers.

 

Im Jahr 2009 wurden dann umfassende Renovierungsarbeiten begonnen, die Rezeption und die Lobby wurden komplett überholt und auch in den Zimmern wurden grosse Neuerungen vorgenommen, ohne jedoch damit den alten Charme der Gebäude zu beschädigen. 2013 übernahm Georg Lützow-Holm das Hotel, das er seit diesem Zeitpunkt zusammen mit seinem Manager führt. Im Oktober 2013 wurde dann schliesslich der Name angepasst, das Hotel heisst jetzt Sole Hotell – Den gamle Doktorgaarden, ein besonderes Augenmerk wird nun auf den historischen Hintergrund des Hauses gelegt. Dieser Devise folgend wird der Svein Erik-Saal wieder in Jorgen Moe-Saal zurückbenannt, der Pausenraum behält aber den Namen Svein Erik. Heute hat das Solehotel gut 60 Zimmer mit etwa hundert Betten in verschiedenen Kategorien und wird für Hochzeiten und Konferenzen sowie insbesondere von Besuchern des nahegelegenen Skigebiets Norefjell häufig besucht.

 

Ein bunter Namenssalat

 

Auf der Busfahrt nach Hønefoss, die ich vor einigen Tagen unternommen habe, fielen mir die Wegweiser mit ihren doch für mich eher ungewohnten Ortsnamen wie zum Beispiel Jansrud, Garderhammer, Borlund oder Veme auf. In näherer Umgebung von Noresund liegt denn zum Beispiel Drammen (68.015 Einwohner), meines Wissens jedoch trotz des Namens keine Theaterhochburg oder der Ort Geilo, es gibt aber noch viel ausgefallener Namen. Auf unserer letzten Norwegenreise haben wir zum Beispiel „Klo“, „A“ und „Hammerfest“ besucht. Von diesen Namen inspiriert habe ich meinen besten Freund Internet zu Rate gezogen und so einige Perlen gefunden. Bei genauerer Recherche stellte sich heraus, dass  vor allem die übersetzten Ortsnamen einen zweiten Blick Wert sind. Hier ein paar Beispiele:[1]

 

-Sarpsborg (zu Deutsch Schluckburg)

 

-Porsgrunn (Gagelstrauchsgrund)

 

-Nevlunghavn (Dunkelhafen)

 

-Kvinesdal (Kreischendes Tal)

 

-Ogna (Schrecken)

 

-Lillehammer (kleiner Steinhaufen)

 

-Røldal (geschwätziges Tal)

 

-Lofoten (Luchsfuss)

 

-Trondheim (Ort der Starken)

 

-Tromsø (Strominsel)

 

-Jotunheimen (Heimat der Riesen)

 

-Stavanger (enger Fjord)

 

Drammen bedeutet übersetzt übrigens Trübwasser und der berühmte Ort Lindesnes heisst zu Deutsch „Gefahrenhalbinsel“.

 

Norefjell

 

Wie bereits bei der Geschichte des Sole Hotells angemerkt, spielt vor allem im Winter das Skigebiet Norefjell eine sehr wichtige Rolle. Zwar findet sich auch auf dem Berg ein Hotel, das Norefjell Ski & Spa, doch das kann ganz schön ins Geld gehen, hat es doch einigen Luxus zu bieten. Deshalb ziehen insbesondere viele Familien das zwar weiter weg gelegene, dafür aber um einiges bezahlbarere Sole Hotell vor. Doch was genau macht das Norefjell so attraktiv?  Genau dieser Frage möchte ich heute nachgehen.

 

Wenig überraschend ist Norefjell in erster Linie der Name des Berges selbst (heisst Fjell doch auch Berg) und ist am höchsten Punkt, dem Gipfel Høgevarde, 1495m hoch. Ob man als Schweizer hier schon von einem Berg reden möchte, ist eine andere Frage… In Norwegen gehört Norefjell jedoch zu den dominantesten Bergen im Süden und gilt als der erste „richtige Berg“ in der Umgebung von Oslo. Dementsprechend gut besucht ist das Skigebiet auch während der Winterferien von Norwegens Hauptstadt. 28 Skilifte, zwei Snowparks und insgesamt 26km Skipiste hat das Gebiet im Angebot und das bereits seit 66 Jahren. Doch selbst in Norwegen müssen die Pisten bisweilen beschneit werden, gerade in diesem so schneearmen Februar mutet der weisse Streifen hinunter zur Talstation inmitten des grünen Waldes eher seltsam an. Die Website „Norway, Powered by Nature“[1] bewirbt das Skigebiet gar als ein Skiparadies und eine Flucht in die Natur in unmittelbarer Nähe zu Oslo. Mit dem Auto dauert die Fahrt allerdings 90 Minuten, ich als Schweizerin bin mir da etwas andere Massstäbe gewöhnt J Auf der Website sind auch noch andere Aktivitäten in „unmittelbarer“ Nähe aufgelistet, so findet man rund um den Berg Høgevarde zahlreiche wunderschöne Wander- und Langlaufrouten, mindestens vier Angebote für „Birdwatching“ und die „Kroderbanen“, Norwegens längste Museumseisenbahn. Und natürlich darf auch der Kroderensee selbst nicht vergessen werden, auch wenn er gerade im  Winter für den Tourismus nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ein wunderschöner Anblick ist der gefrorene See nämlich allemal!

Norwegisch – ein paar nützliche Sätze

 

Hallo

Hei!

Wie geht es dir?

Hvordan har du det?

Auf Wiedersehen

Ha det!

Guten Morgen

God morgen

Guten Abend

God kveld

Gute Nacht

God natt

Ich heisse Carina

Jeg heter Carina

Ich spreche kein Norwegisch

Jeg snakker ikke norsk

Ich spreche Deutsch

Jeg snakker tysk

Ich hätte gerne einen Kaffe

Jeg vil gjerne ha en kopp kaffe

Ich hätte gerne ein Bier

Jeg vil gjerne ha en glass øl

Wie heisst du?

Hva heter du?

Wo kommst du her?

Hvor kommer du fra?

Wo liegt das Schloss?

Hvor er Slottet?

Du siehst es links

Du ser et til venstre

Du siehst es rechts

Du ser et til høyre

Ich möchte gerne kaufen…

Jeg vil gjerne kjøpe…

Ich habe kein norwegisches Geld

Jeg har ingen norske penger

 

Praktisch: Im Norwegischen wird die Höflichkeitsform heute kaum noch verwendet oder kann sogar als Beleidigung angesehen werden. Mit dem "Du" ist man also immer auf der sicheren Seite. :)

Norwegen, das Fakten-ABC

 

A – Akerhus: Eine der  Sehenswürdigkeiten Oslos, eine Burganlage im Herzen der Stadt.

 

B – Bokmål: Es gibt zwei verschiedene Formen des Norwegischen und Bokmål ist eine davon. Die Unterschiede sind allerdings ziemlich geringfügig. Bokmål bedeutet „Buchsprache“ und etwa 85-90%  der Einheimischen schreiben in Bokmål.

 

C - Cristiana: zwischen 1624 und 1925 hiess die norwegische Hauptstadt Cristiana oder Cristiania, dann wurde sie wieder zu Oslo zurückbenannt. Auch die Schreibweise „Kristiania“ findet man hin und wieder.

 

D – Dichte: Die Einwohnerdichte Norwegens beträgt nur 13 Einwohner pro km2! Die gut 5 Millionen Einwohner bewohnen ein Land mit der Fläche von 385‘199km2, 75% verteilen sich auf die Städte und deren Ballungsräume, nur 25% leben in ländlichen Gebieten. Daher gibt es ein enormes Gefälle zwischen dem  relativ dicht besiedelten Süden des Landes und des nur sehr dünn besiedelten Nordens.

 

E- Erbmonarchie: Norwegen ist eine Erbmonarchie und eine konstitutionelle Monarchie mit stark parlamentarischen Zügen, das Staatsoberhaupt ist König Harald V.

 

F – Fahren: Die Norweger haben eine enorme Begeisterung für Autos, was verständlicherweise auch mit der enormen Grösse des Landes zusammen hängt. Allerdings steigt man hier auch für kurze Distanzen ins Auto, Fussgänger treffe ich während meiner Spaziergänge kaum an, höchstens hin und wieder einen Hundehalter.

 

G – Gardermoen: Norwegens wichtigster Flughafen in der Nähe von Oslo. Bekannt insbesondere dafür, dass das gesamte Gebäude aus Holz besteht und die Passagiere mit einem warmen Holzduft begrüsst.

 

H – Holmenkollen: Eine Skisprunganlage in der nahen Umgebung von Oslo, neben dem Frognerpark, in welchem man Skulpturen von Gustav Vigeland bestaunen kann, ein beliebtes Naherholungsgebiet der Hauptstadt

 

I – Inseln: Norwegen hat unglaublich viele Inseln, von denen allerdings die meisten nicht bewohnt sind und nur knapp über die Wasseroberfläche ragen, sogenannte Schären. Die berühmtesten „richtigen“ Inseln sind sicherlich die Lofoten und Vesterålen, aber auch die Inselngruppen Spitzbergen (Norwegisch: Svalbard), sowie die Bouvetinseln im Südpolarmeer gehören zu Norwegen. Dazu kommen die  Peter-I.-Insel und das Königin-Maud-Land in der Antarktis, die aber nur königliches Hoheitsgebiet sind. Insbesondere Carreisenden dürfte des Weiteren die Insel Magerøya bekannt sein, an deren Nordspitze sich das berühmte Nordkap befindet.

 

J-Jahre: Die Lebenserwartung in Norwegen beträgt 82,8 Jahre, 80,3 Jahre bei den Männern und 84,2 Jahre bei den Frauen.

 

K – Kronen: Die Währung des Landes sind norwegische Kronen, da Norwegen ebenfalls kein EU-Mitglied ist. Zum Franken steht NOK ungefähr 1:8 Für mich als Schweizerin besonders seltsam sind die 1- und 5-Kronen Münzen, die in der Mitte ein Loch haben. Keine Ahnung wieso…

 

M – Munch: Der wohl bekannteste Künstler Norwegens, der vor allem durch seine Gemälde „Der Schrei“ berühmt wurde.  

 

N – Nynorsk : Die zweite „Version“ der norwegischen Sprache ist Nynorsk, seit 1929 anerkannt, beide Sprachen werden an der Schule gelehrt und auch in Norwegen gibt es natürlich auch eine unglaubliche Fülle an gesprochenen Dialekten.

 

O – Oslo: Norwegens Hauptstadt Oslo gilt als die am schnellsten wachsende Hauptstadt Europas, trotzdem hat sie „nur“ rund 661`000 Einwohner. Ausgesprochen wird Oslo in Norwegisch entweder „Uslu“ oder „Uschlu“.

 

P-Protestanten: In Norwegen gilt seit 1851 Religionsfreiheit, die grösste Glaubensgemeinschaft sind mit rund 75% die Reformierten, gefolgt von 2.7% Muslimen und 2% Katholiken.

 

Q – Quellen: Norwegen ist ein sehr wasserreiches Land, was vor allem für den Gewinn elektrischer Energie genutzt wird. Die zweite wichtige Energiequelle ist das Erdöl, dass Norwegen zusammen mit dem Erdgas zu Reichtum geführt hat.

 

R – Rentier: Zusammen mit den Elchen stehen sie wohl wie kein anderes Tier für das Land der Mitternachtssonne, der Bestand beträgt über 100‘000 Tiere. Hast du gewusst, dass es sowohl wilde als auch „Hausrentiere“ gibt?

 

S – Schweden: Das Nachbarland, mit welchem sich Norwegen die längste Grenze teilt (1619km) und zu welchem es sogar bis 1903 gehörte. Weitere Nachbarländer sind Finnland (727 km) und Russland (196km).

 

T –Tigerstaden: Kosename für Oslo, Ursprung dieses Namens ist ein Gedicht von Bjornstjerne Bjornson, in welchem er Oslo als gefährliche und unbarmherzige Stadt beschreibt.

 

U-Unterschiede: Norwegen ist ein Land der Extreme und hat von Bergen und Hochebenen (sogenannte Fjelle) mit bis zu 2500 m.ü.M Höhe, über ungefähr 150‘000 Inseln, 25‘000km Atlantikküste, zahlreichen Seen und Gletschern, die bis ins Meer ragen, alles zu bieten. 

 

V- Vegetation: Norwegen ist eine regelrechte Nation der Flechten und Moose, über 800 Arten von Moosen und über 12‘000 Flechtensorten sind bekannt. Vor allem im Norden des Landes stellen sie den Grossteil der Nahrung für die Rentiere dar. Eine weitere besondere Pflanze ist die „Moltebeere“, auch Torfbeere genannt, eine sehr seltene Beere, die auf der finnischen 2-Euro-Münze abgebildet ist und als Wahrzeichen Lapplands gilt. Die orange Beere ist roh gegessen allerdings eher bitter-säuerlich und wird deshalb meist zu Gelee oder Marmelade verarbeitet.  

 

W – Wasser: Norwegen ist ein Land des Wassers, sei es das Salzwasser des Atlantiks, gefroren in Form von Schnee und Eis oder als Fluss und See. Norwegens längster Fluss heisst Glomma und ist 601 km lang, der grösste See Mjøsa mit 365km2, an dessen Ufer zum Beispiel die Stadt Lillehammer liegt.

 

X-treme Distanzen: (Kleine Moggelei J) Die Längenausdehnungen in Norwegen sind ziemlich extrem, die Distanz zwischen Kristiansand, an der Südspitze Norwegens bis Hammerfest in der Nähe des Nordkapps, beträgt 1‘752km, 43km mehr als die Distanz zwischen Kristianssand und Genua.

 

Y-Yoga und andere Sportarten: Norwegen ist in erster Linie eine Wintersportnation, in vielen Skidisziplinen ist Norwegen führend, sowohl in der Entwicklung als auch im Sport selbst. Weitere Volkssportarten sind Segeln und Orientierungslauf, zu Yoga konnte ich allerdings keine genaueren Angaben finden J 

 

Z – Zivilisation:  In Norwegen gibt es sechs national anerkannte Minderheiten: Samen, Waldfinnen, Kvenen, Tatere, Roma und Juden. Mit 60’00-100‘000 Samen lebt in Norwegen die grösste Gruppe dieses indigenen Volkes.

 

Quelle: Wikipedia

 

Norwegen von 1-20

 

(Ja, manchmal habe ich ein bisschen gemogelt J)

 

1.

Norwegen ist die Nummer 1 in vielen Bereichen. Nicht nur gilt es als das glücklichste Land der Welt, sondern auch als das Höchstentwickelte und der demokratischste Staat der Erde!

2

2.7%  der jährlichen Ausgaben der Norweger werden in Alkohol und Tabak investiert

3

¾  Hier eine persönliche Anekdote: bei unserer letzten Norwegenreise haben wir den nördlichsten Punkt Norwegens (Magaroya), den westlichsten Punkt (Vardo) und den südlichsten Punkt (Lindesness) besucht. ¾ Himmelsrichtungen haben wir also abgedeckt.

4

+47 ist die Vorwahl Norwegens

5

Gut 5 Millionen Einwohner zählt der Staat

6

Die sechs grössten Städte Norwegens: Oslo (548‘620), Bergen (244‘620), Trondheim (161‘730), Stavanger (117‘315), Kristiansand (77‘840), Tromsø (64‘490)

7

75.2% der Norweger sind Mitglieder in der Staatskirche

8

Die 8 grössten Zeitungen Norwegens: Aftenposten (Oslo), Verdens Gang (Oslo), Dagens Naeringsliv (Oslo), Dagbladet (Oslo), Bergens Tidende (Bergen), Adresseavisen (Trondheim), Stavanger Aftenblad (Stavanger), Faedrelandsvennen (Kristiansand)

9

Über 90% der Kinder zwischen 3-5 sind in Norwegen im Kindergarten, selbst bei den 1-2 Jährigen sind es 80%

10

Top 10 Mädchennamen in Norwegen: Nora, Emma, Sara, Sofie, Emilie, Anna, Linnea, Thea, Maja, Sofia

Top 10 Jungennamen… Lukas, William, Markus, Emil, Oskar, Mathias, Magnus, Filip, Jakob, Aksel

11

Durchschnittlich gibt es in Norwegen auf 1000 Einwohner 11 Neugeborene pro Jahr.

12

12 Schiffe zählt das bekannteste Fortbewegungsmittel Norwegens, die Postschiffe Hurtigruten, 11 davon im Ganzjährigen Betrieb. Eine weitere 12er Zahl: Die Hurtigruten gibt es bereits seit 120 Jahren!

13

Die Unesco-Stätten in Norwegen: Die Hanse-Häuser Bryggen in Bergen, die Stabkirche in Urnes, die Bergbaustadt Roros, Steinzeichnungen in Alta, das Lepra-Archiv in Bergen, Henrik Isens „Nora oder ein Puppenheim“, das Vega-Archipel,  Struve-Bogen, Geirangerfjord und Nearoyfjord in Westnorwegen, Filmmaterial der Südpolexpedition von Roald Amudsen, Thor-Heyerdahl-Archiv in Oslo und das Kraftwerk Vermork und andere Anlagen der Norsk Hydro

(wer mitgezählt hat, merkt dass ich geschmummelt habe, sind nur zwölf aber ich war verzeifelt J )

14

 Der Karfreitag ist auch in Norwegen ein Feiertag, dieses Jahr der 14.4

15

Die Schweiz liegt auf Platz fünfzehn der Länder, mit welchen Norwegen Handel betreibt, hinter Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Niederlande, Polen, Portugal, Russland, Spanien und UK

16

16‘930 norwegische Studenten studierten im Jahr 13/14 im Ausland, 52 davon in der Schweiz

17

Der 17. Mai ist der Nationalfeiertag Norwegens, man feiert die Unabhängigkeit von Schweden.

18

In Norwegen gibt es rund 18‘000 Mopeds ;) Im Grossen und Ganzen ist Norwegen aber ein Land der Autos, mehr als die Hälfte der fünf Millionen Norweger haben ein Auto.

19

Am 19.8 wird der Geburtstags der Kronprinzessin Mette-Marit gefeiert.

20

Am 20.7 wird der Geburtstag von Kronprinz Haakon gefeiert.

 

Von der Kulinarik

 

 Wenn man im Zusammenhang mit Norwegen von Essen spricht, dann denkt man wohl in erster Linie an Fisch, Kartoffeln und vielleicht noch Smørrebrød (eine Art Butterbrot). Kulinarisch gesehen ist Norwegen sicherlich kein Land, dass man wegen des guten Essens besucht, es sei denn man liebt Meeresgetier ;) Nun, wie sieht es denn in der Realität mit dem Essen hier aus? Ich habe da mal mit meinem Tagebuch eine kleine Hochrechnung gemacht und komme auf folgendes Resultat: bei uns gab es in den letzten Wochen folgenden Mahlzeiten, sortiert nach ihrer Häufigkeit: 50% Kartoffeln, 20% Reis, 20% Pasta und die restlichen 10% entfallen auf spezielle Gerichte wie Pizza, Lasagne oder Omeletten. Am häufigsten gibt es dazu wohl Lammfleisch, gefolgt von Poulet, Fisch und Rind. Gelegentlich gibt es aber auch ausgefallenere Sachen wie Rentierlasagne oder Wildschwein. Prickelnd ist die Auswahl auch beim Gemüse, es gibt da zwei gefrorene Fertigmischungen, einmal Karotte, Bohnen und Kohlrabi  und als Alternative Blumenkohl, Karotten und Erbsen, die bei uns sehr häufig auf dem Teller landen, ganz selten gibt es auch Salat, aber ohne Sosse. Allerdings grenzt es schon an einen Glücksfall, wenn es überhaupt Gemüse gibt, also sollte ich wohl besser nicht meckern... Alles in allem ist das Essen hier eher langweilig, aber zumindest muss man nicht selbst kochen, dass hat doch durchaus auch Vorteile J

 

Eine Besonderheit der norwegischen Ernährung ist das „Matpakke“, eine Art Picknick für das Mittagessen, die hier sehr populär ist. Dem Buch „Gebrauchsanweisung für Norwegen“ von Ebba D. Drolshagen zufolge sieht man selbst hohe Tiere der Konzernleitungen mittags mit ihren hausgemachten Sandwiches. Wir bieten im Solehotell zum Beispiel sogar die Möglichkeit an, sich selbst vom Frühstücksbuffet ein Matpakke für den Tag zu machen. Und zum Schluss noch eine kleine Anmerkung zu den Kartoffeln: Bei uns gibt es diese sogar schon zum Frühstück, im sogenannten „Pytt i pane“, eine Mischung aus Kartoffeln, Zwiebeln und Speck.

 

Abschluss-Sammelsurium

 

Es gäbe noch sehr viele interessante Themen, über die ich an dieser Stelle berichten könnte, aber da dies mein letzter News-Blog sein wird, möchte ich mich auf ein paar Kleinigkeiten beschränken, denen ich hier begegnet bin. Was man zum Beispiel sehr häufig sieht, sind Autos mit grünen statt weissen Kennzeichen. Der Grund dafür ist schnell gefunden, das sind Firmenwagen. Da diese grünen Autonummern mit Steuererleichterungen gekoppelt und einfach zu bekommen sind, fahren allerdings auch sehr  viele Privatpersonen damit herum, wie ich mir habe sagen lassen. Zudem habe ich herausgefunden, dass ich die letzten drei Monate an einem Fjord gelebt habe! Ja, das Gewässer ist definitiv ein Binnensee, aber gewisse Seen werden von den Norwegern trotzdem Fjord genannt. Welche Kriterien dazu jedoch erfüllt werden müssen, weiss ich nicht. Und einer deutschen Webseite zufolge liegt Noresund im "Tal der Künstler", da einige norwegische Dichter und Schriftsteller hier berühmte Werke verfasst haben, nicht selten inspiriert von einer alten Eiche, die etwas vor dem Dorfeingang steht. Ein Bild des tatsächlich ziemlich beeindruckenden "Alten Meister" will ich dir natürlich nicht vorenthalten. Eine weitere Kuriosität aus Noresund selbst sind sicherlich die beiden Supermärkte. Ja, dieses Kaff hat ungefähr 200 Einwohner, aber zwei ziemlich grosse Läden, drei Tankstellen und sogar ein Sportoutlet. Der Grund dafür ist das Skigebiet, die durchreisenden Touristen dürften den Grossteil des Umsatzes einbringen. Um dieser Klientengruppe gerecht zu werden, sind die Läden auch unglaublich lange geöffnet, Montag bis Samstag von sieben bis 23 Uhr und selbst am Sonntag von 8 bis 20 Uhr. Verrückt. Auch die Auswahl ist ziemlich beeindruckend, so findet man zum Beispiel zahlreiche tropische Früchte wie Granatäpfel, Melonen und Mangos, und das mitten im Winter!

 

Und wo wir gerade beim Essen sind: die Norweger haben eine grosse Leidenschaft für Würste. An jeder Tankstelle gibt es diverse Variationen von „Polse“, mit Speck, Brot, Kartoffeln und noch vielem anderem. Selbst im Zug von Oslo nach Bergen gibt es Würste mit Kartoffelsalat! Die zweite ungesunde Spezialität, die es so ziemlich überall gibt, von denn globalen Bestsellern wie Burger einmal abgesehen, sind die „Vaffler“, Waffeln die meist mit Sauercreme und Erdbeermarmelade gegessen werden.

Die Norweger lieben die Bürokratie wohl genauso wie die Schweizer, das Land wieder zu verlassen bedeutet etwa gleich viel Papierkram wie her zu kommen! Aber was soll's, das Hotel ist leer, also habe ich zeit um noch ein paar weitere Formulare auszufüllen...

 Ich hoffe ich konnte dir mit dieser kleinen Serie noch ein paar Kuriositäten aus Norwegen näher bringen und bedanke mich fürs Lesen!